Theater der Ersetzbarkeit
Grafik: Barbara Herschel/Kaspar Jamme
Die Angst, ersetzbar zu sein, treibt den modernen Menschen seit jeher um. Mit der Möglichkeit der eigenen Ersetzbarkeit konfrontiert zu werden, erschüttert unser Selbstverständnis als Individuum fundamental. Die gegenwärtigen Entwicklungen von KI und Automatisierung erneuern diese tiefsitzende Angst in einer nie dagewesenen Qualität. Ihre unabsehbaren Folgen werden zur existenziellen Bedrohung.
Das Theater lehrt uns seit Jahrtausenden: Jede:r ist ersetzbar. Jede:r kann jede Rolle spielen. Jede Rolle kann neu besetzt werden. Das »Theater der Ersetzbarkeit« aktualisiert dieses uralte Prinzip mit den zeitgenössischen Techniken der Nachahmung: Mithilfe von KI wird die Stimme jedes Zuschauers und jeder Zuschauerin geklont. Ein Sprachsynthese-Programm lernt in wenigen Minuten den Klang der Stimmen nahezu perfekt zu imitieren. In der Aufführung begegnen die Zuschauer:innen ihren eigenen automatisierten Stimmen und beobachten deren Handlungen und Dialoge.
Das »Theater der Ersetzbarkeit« ermöglicht es den Zuschauer:innen, sich mit ihrer eigenen Ersetzbarkeit zu konfrontieren. Es lässt sie nie dagewesene Perspektiven zu sich selbst und zu anderen einnehmen. Die eigene Ersetzbarkeit zu erfahren, wird zur Befreiung aus den Grenzen des eigenen Ichs. Sich ersetzbar zu machen, wird zur Voraussetzung für neue Formen der Beziehungen zwischen uns Menschen. Das »Theater der Ersetzbarkeit« wird zum Lehrstück für das 21. Jahrhundert.
Jede Aufführung dauert 90 Minuten und bietet Platz für fünf Teilnehmende.
Termine
06.+ 07.11.26 Literaturforum im Brecht-Haus
19./20./21./22.11.26 Vierte Welt Berlin
Credits
Konzept, Text & Regie: Felix Falczyk und Johanna Herschel
Sound & Technik: Leon Goltermann
Eine Produktion von Felix Falczyk und Johanna Herschel in Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus und Vierte Welt. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin. Mit freundlicher Unterstützung durch das Residenzprogramm schloss bröllin. Die Verwendung von Auszügen aus »Das Badener Lehrstück vom Einverständnis« von Bertolt Brecht erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Suhrkamp GmbH, Berlin.